Shanghai - erster Eindruck
für Justin Time
Es stinkt.
Wenn nur ein Auto nicht hupen würde
Alles wuselt durcheinander.
Nein, das kann nicht das Digitalbild sein, dass ich eben geschossen habe.
Die Menschen bewegen sich ja – aber eben wie in Zeitlupe.
Gut, dass dieses Reich in der Mitte liegt. Man stelle sich einmal vor, es wäre das Land am Rande und müsste sich irgendwohin bewegen.
Wie ein schwarzes Loch sitzt es in der Mitte.
Genauso fährt ein Chinese nicht in den Urlaub. Wozu auch?
Bis er zum Reisebüro gelaufen ist, ist sein Urlaub schon zu ende.
Den Himmel kann ich mir nicht einmal mehr vorstellen, so lange ist es her, dass ich ihn gesehen habe.
Reis.
Natürlich. Da hat man was. Reis. Da brauchst du nicht zu überlegen, ob er dir schmeckt oder nicht.
Zum Frühstück? Ja natürlich, und warum auch nicht.
Reis. Warm oder heiss, aber die Chinesen müssen eben alles gekocht, frittiert oder sonst irgendwie jedlicher Konstistenz beraubt haben, bevor sie es essen können.
Ein Keks, ach nein, zu kompliziert.
Wie wäre es mit einem simplen, einfachen Brot.
Wie sehne ich mich nach einem Brot.
Ein Brot, das herlich knuspert, wenn man sich eine mitteldünne Scheibe herunterschneidet.
Auch das gönnen sie mir nicht.
Was rede ich: „Mir nicht“. Sie gönnen es sich ja nicht einmal selbst.
Also Reis. Ob der nun süßlich oder sauer ist, wie dieser hier in dem kleinen Plastikschälchen mit einer großen Mickey-Mouse vorne drauf, den ich mit roten Hello-Kitty Stäbchen esse (wenigstens Geschmack könnten sie doch haben!), macht sowieso keinen Unterschied.
Ich stelle das Plastikschälchen auf den Tisch, und wie man daheim das Fenster zu macht, wenn ein starker Regen kommt, schließe ich es auch hier. Nicht das es in den letzten Tagen geregnet hätte, ich bin auch froh drum.
Nein. Ich habe genug.
Kaum zwei Minuten habe ich es ausgehalten, hinunter in die Straßenschlucht zu schauen.
Mein Arm könnte gar nicht lang genug sein, so viele Uhren wie ich da unten kaufen sollte, wenn es nach ihnen ginge.
Reis.
Ein einziger Brei.
Wie können Eineinhalb Milliarden Menschen so leben?
Ich meinen JEDEN Tag. Nicht ein paar Wochen lang?
Da macht es keinen Unterschied, ob es das Jahr der Schlange, des Tigers oder des Hundes ist.
Wenn die zwölf um sind geht es einfach weiter, als wäre nichts passiert.
Der Straßenarbeiter hat derweil an gut 600 Stellen gearbeitet, und doch wacht er im selben Getöse wieder auf.
Er kann sogar beim schlimmsten Gehupe schlafen.
Dann wacht er, wie ein Spielzeugroboter am frühen Morgen wieder auf, schlägt seine Decke, unter der er geschlafen hat zurück, genauso wie gestern, und genauso wie der Spielzeugroboter neben ihm.
Dann hacken sie die Straße auf, mit ihrer Kraft und ihren Hämmern. Hunderte.
Und für alle gab es zum Frühstück
Reis. Warm und salzig.
Ist das was für mich?
(wieso frag ich überhaupt)
Hätte ich fast vergessen.
Fahrradfahren – natürlich.
Aber das kann man beim Schwarzen Loch nachlesen.
Nur ist das auf zwei Rädern etwas spektakulärer und macht beim zuschauen etwas schwindlig.
Gate 14, ich habe meinen Koffer in der Hand, die Tickets in der Innentasche.
Milchreis







